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Mittwoch, 3. Mai 2017

*Das Leben wartet nicht* erschienen bei Diogenes

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :22.02.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 22.02.2017
  • Verlag : Diogenes
  • ISBN: 9783257069839
  • Fester Einband 304 Seiten
  • Sprache: Deutsch

REZENSION

  • INHALT:
     Der Roman spielt im Italien zur Zeit der grossen Kinderemigration (1959-1962) vom armen Süden in den  Reichtum und Arbeit versprechenden Norden des Landes. 
    Ninetto, ein kleiner 10 jähriger Junge, mit Spitznamen *Pelleossa, Haut undKnochen* genannt, verlässt seine Familie, sein Dorf wegen Hunger und Armut nach eindringlicher Zureden des Vaters. Er fährt mit einem Bekannten nach Mailand.  Ninetto lebt im *Bienenstock*, dem ärmsten Viertel der Stadt, indem nur Familien aus dem Süden eine armselige  und schäbige Unterkunft finden und schlägt sich mit Botengängen für eine Wäscherei durchs Leben. Er geht nicht mehr zur Schule, obwohl er in Sizilien ein guter und wissbegieriger Schüler war. In sein Tagebuch, welches ihm sein liebevoller Lehrer mitgegeben hat, fügt er ab und zu kleine Worte ein , oder er schreibt eine Postkarte an den Vater und die an einem Schlaganfall erkrankte Mutter, die in einem Heim lebt.
    Wir begleiten Ninettos Lebensweg in dem Buch weiterhin während vieler Jahrzehnte seines Erwachsenen-Lebens als Arbeiter bei Alfa Romeo in Mailand, seiner frühen Heirat mit der fünfzehnjährigen Maddalena und seinem Leben im Gefängnis, das er wegen einer unbedachten Reaktion auch kennengelernt hat,,,, 

    MEINE MEINUNG: Dieser Roman hat mich ausserordentlich  beeindruckt durch seine bildhafte und wunderbar wandelbare Sprache aus zwei Erzählperspektiven, einmal der des Kindes Ninetto und des erwachsenen Ninetto. Der Autor hat in seinem Buch ein skandalöses Thema angesprochen und beschrieben, nämlich Kinderarbeit in Italien Ende der fünfziger Jahre bis  zum Beginn der sechziger Jahre. Diese ehemaligen Kinderemigranten aus Süditalien haben heute ein Alter von 60-70 Jahren erreicht und einige dieser alten Männer hat Marco Balzano in Interviews nach ihren Erinnerungen an diese Zeit befragt, absichtlich nur mündlich, um seinen eigenen Eindruck an diese Gespräche so besser verinnerlichen zu können. Entstanden ist ein berührendes Porträt und Buch zum Gedenken an diese Generation, die so viele Wandel in der Arbeitswelt und im persönlichem Umfeld erlebt hat. Angefangen haben diese Kinder oft mit schlecht bezahlten Botengängen. Mit 15 Jahren konnten sie dann in einer der grossen Industriefabriken um Mailand, Turin, Genua arbeiten.
    Im späteren Arbeitsleben wurden ihre Arbeitsplätze  immer wieder wegrationalisiert und viele blieben *auf der Strecke*. 
    Das Buch ist mit sehr viel Herzenswärme und und menschlichem Empfinden für die Armen  und ihre Kinder in unserer Gesellschaft, speziell Italien geschrieben. Italienisches Flair und Lebensansichten dieser Generation  ( z.B.ein Mann besitzt ein Messer) hat der Autor sehr gut zusätzlich in dieser Geschichte eingeflochten.
    Das Bedrückende an dieser Lektüre: die Geschichte wiederholt sich offensichtlich. Heute wohnen und leben in diesen Wohnsiedlungen der Grossstädte, auch *Bienenstöcke* genannt, wieder Flüchtlinge, diesmal aus aller Welt in allen Hautfarben, aus allen Nationen und versuchen Ihr Auskommen für sich und ihre Kinder im reichen Europa zu finden. 

      
    Meine Bewertung: ein ausserordentlich grossartiges Buch!  FÜNF *****STERNE

    Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für dieses beeindruckende Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Liebe Angela,

    das Buch klingt gut, auch wenn es nicht ganz meinem Beuteschema entspricht. Man merkt, dass du richtig von der Geschichte begeistert bist. Wenn es mir mal über den Weg läuft, werde ich bestimmt dennoch zugreifen. Danke für die schöne und interessante Rezi!

    Liebe Grüße von Conny und die noch eine nette restliche Maiwoche :)

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    1. Hallo Conny, es sind halt die Menschen meiner Generation, von denen der Autor berichtet und das hat mich so betroffen gemacht. Ich war 1962 gerade mal acht Jahre alt und hatte eine ganz andere , behütete Kindheit in Deutschland,,,
      LG Angela

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